Die USA befreien sich vorerst von Konjunktursorgen

9. November 2011
von

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Nach der Schwächephase und negativen Prognosen im Sommer fasst die US-Konjunktur wieder etwas Fuß und verzeichnet eine Belebung. Anlass zur Euphorie sei das aber noch lange nicht, so die Einschätzung der W&W Asset Management GmbH, Teil des Stuttgarter Vorsorge-Spezialisten Wüstenrot & Württembergische (W&W). Vielmehr sprechen verschiedene Indikatoren dafür, dass das Wirtschaftswachstum der USA auf absehbare Zeit grundsätzlich gedrückt bleibt.

Noch zur Mitte des Jahres wies die US-Wirtschaft einen nur verhaltenen Zuwachs aus, zwischenzeitlich entstanden sogar Rezessionssorgen. Doch diese können die USA zunächst hinter sich lassen, denn im dritten Quartal ging es wieder leicht bergauf: Ersten Berechnungen zufolge konnte ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent erzielt werden. Insbesondere die private Konsumnachfrage hatte diese Entwicklung vorangetrieben. „Dass die Konsumfreude der US-Verbraucher sich ungebrochen fortsetzt, steht in extremem Gegensatz zur weiterhin sehr angespannten Arbeitsmarktlage und der daraus resultierenden Skepsis der US-Privathaushalte, die sich in Stimmungsindikatoren widerspiegelt“, berichtet Ortansa Becker, Kapitalmarktanalystin der W&W Asset Management. Sie rechnet damit, dass die belastenden Faktoren künftig stärker durchschlagen werden und sich dann bremsend auswirken könnten. Eine Gefahr sieht die Expertin auch bei den Unternehmensinvestitionen: Die bislang anhaltende Ausgabefreude lässt sich unter anderem auf die mehrheitlich gute Finanzlage der Unternehmen zurückführen, aber möglicherweise auch auf das baldige Auslaufen der Steuervergünstigungen. „Unter Umständen wurden deshalb aktuell Investitionen vorgezogen, so dass sie nach dem Jahreswechsel deutlich an Schwung verlieren dürften“, erläutert Becker. Insgesamt sei damit zu rechnen, dass sowohl im Gesamtjahr 2011 wie auch 2012 die Wirtschaftswachstumsrate die Zwei-Prozent-Marke nicht nennenswert überschreiten wird

Inflation: Beruhigung der Preisentwicklung für 2012 erwartet

Getrieben von anhaltend hohen Energie- und Rohstoffpreisen, setzte sich die Inflation in den USA in den vergangenen Monaten fort. Im September lagen die Verbraucherpreise 3,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch die Kerninflation, die unter Ausschluss der volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise berechnet wird, hat sich im Jahresverlauf von einem auf zwei Prozent verdoppelt. „In den kommenden Monaten nähern sich beide Inflationsraten voraussichtlich einander an. In der Summe prognostizieren wir für die USA im Jahr 2012 eine deutliche Beruhigung bei der Preisentwicklung und eine durchschnittliche Inflationsrate im Bereich von 2,25 Prozent“, erklärt die Expertin der W&W Asset Management.

Geldpolitik und Rentenmarkt: Volatiler Verlauf der US-Renditen

Angesichts zunehmender Konjunkturrisiken unternahm die US-Notenbank Fed im September mit der sogenannten „Operation Twist“ einen weiteren geldpolitischen Expansionsschritt. Ziel ist die Reduzierung des langfristigen Zinsniveaus in der Hoffnung, über niedrigere Hypotheken- und Kreditzinsen den Immobilienmarkt und die Unternehmensinvestitionen anzukurbeln. „Angesichts der bereits auf historischen Rekordtiefs befindlichen Hypothekenzinsen und der recht hohen Investitionstätigkeit der Unternehmen erachten wir die Erfolgsaussichten dieser Maßnahme allerdings als äußerst gering“, berichtet die Analystin. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen wiesen in den letzten Wochen eine starke Volatilität auf, während kurzfristige Zinsen eine recht ruhige Entwicklung zeigten –  jedoch auf einem historisch sehr tiefen Niveau. Becker: „Da sich die US-Notenbank verpflichtet hat, die Leitzinsen frühestens 2013 zu erhöhen, wird sich die Seitwärtsbewegung im kurzfristigen Zinsbereich fortsetzen. Bei den langfristigen Zinsen wird jedoch die konjunkturelle und politische Nachrichtenlage zu den Verschuldungskrisen in den USA und der EWU weiterhin für Schwankungen sorgen.“

Aktienmarkt: Hohe Kursgewinne im Oktober

Waren im September die US-Aktienmärkte von einer gestiegenen Risikoaversion der internationalen Kapitalanleger und damit von einer anhaltenden Kursschwäche geprägt, erfolgte im Oktober ein Richtungswechsel. So erreichten die US-Aktienmärkte – im Unterschied zu den europäischen und asiatischen Märkten – nun zumindest wieder das Kursniveau vom Jahresbeginn. Für ein wieder belebtes Kaufinteresse unter den Aktieninvestoren sorgten eine moderate Verbesserung der US-Konjunkturdaten, eine schon fast traditionell positive Berichtsaison der US-Unternehmen im dritten Quartal sowie massive Maßnahmen der EU-Politik bezüglich der Verschuldungsproblematik. „Allerdings werden geschürte Hoffnungen auf eine Überwindung der EWU-Krise regelmäßig bereits einige Tage später durch neue schlechte Nachrichten wieder zerstört. In diesem Umfeld ist weiterhin mit starken Kursschwankungen an den Aktienmärkten zu rechnen“, prognostiziert Ortansa Becker. Die Risikobereitschaft der Anleger und damit das Kursanstiegspotenzial bleiben gedrückt.


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