Gemeinschaftswährung Euro: Sag zum Abschied leise Servus!

30. Mai 2012
von

www.bellevue.ch

Der Euro als gemeinsame Währung Europas ist gescheitert. An Europa. Wer sich damit nicht endlich abzufinden beginnt, riskiert ein Finanzfiasko, das dem „Schwarzen Freitag von 1929 gefährlich nahe kommen könnte.

Die Konstrukteure des Euros haben in ihrem Idealismus etwas Entscheidendes Vergessen: Eine Währung, die „gleich“ strukturierte Volkswirtschaften mit „gleich“ handelnden, „gleich“ arbeitenden und„gleich“ wählenden Konsumenten, Unternehmern und Erfindern verbindet, kann nur funktionieren, wenn tatsächlich alle „gleich“ sind. Wer sich über die teils deutlich unterschiedlichen PISA-Ergebnisse bloß schon innerhalb eines Landes wie Deutschland wundert, weiß, dass der Euro um mindestens 81 Jahre zu früh gekommen ist.

Obwohl die USA bereits im Jahre 1783 die Unabhängigkeit erlangten, erreichte erst der National Banks Act von 1864 (81 Jahre später), dass eine gemeinsame Währung von einer gemeinsamen Zentralbank ausgegeben wurde. Und erst 1913 entstand die heutige Federal Reserve Bank, die FED. Was in Amerika also 130 Jahre brauchte, peitschte man in Europa in knapp zwanzig Jahren durch.

„Eurovision Song Contest“ als Staatsidee?

Die meisten Europäer assoziieren mit „Eurovision“ heute einen etwas merkwürdigen (und künstlerisch eher entbehrlichen) Gesangswettbewerb. Leider erkennen sie beim Begriff „Euro-Vision“ nicht die spirituelle Klammer, die Europa emotionell endlich einen könnte. Die Gründerväter Amerikas wussten den „Glauben an die Freiheit“ als die große Staatsidee. Damit einte man die bunteste Bevölkerung der Welt. In der EG versuchte man es mit der Idee von Frieden, in der EU wich dies der knöchernen Gedankenwelt eines „immer währenden Konsums in Frieden und in Stabilität“.

Tatsächlich hatte das über Hunderte Jahre andauernde „Nation building“in den USA aber dazu geführt, dass Menschen im heißen Florida heute ähnlich sparen und konsumieren wie solche im kühlen Alaska. Kalifornien hat ähnlich viele Existenzgründer wie New York und in Chicago arbeitet man nicht weniger als in Houston. In Europa davon keine Spur.

Wohlstand im Ländle, Armut im Süden

Baden-Württemberg wird immer reich sein. Weil seine Bevölkerung zu technischer Perfektion neigt und diese in unzähligen Experimenten oder Tüfteleien in immer neuen Maschinen umsetzt. Die verkauft man um gutes Geld in alle Welt. In Griechenland oder Portugal vermisst man diesen Unternehmergeist. Die weltweit ersten Solartechnik-„Start-Ups“entstanden ausgerechnet im sonnenarmen Berlin. Hier experimentierte man mit Photovoltaik (oder auch mit Windkraft), als von staatlichen Förderprogrammen noch keine Rede war. In Griechenland hat sich bis heute noch kein einziger Solar-Erfinder gefunden – trotz voller EU-Subventionstöpfe und obwohl sich das Land einer doppelt so hohen
Sonneneinstrahlung erfreut wie Deutschland (ĂĽberdies ist Hellas noch dazu ein ausgesprochenes Starkwindgebiet).

Niemand zwingt Griechen oder Portugiesen, nicht zu tüfteln und keine Firmen zu gründen. Wenn man von ausländischen Produktionsstandorten und einigen Handelsfirmen einmal absieht, hat auch Portugals Wirtschaft nur wenige „Patente oder Produkte“ von Weltformat vorzuweisen. Etwas besser ist es schon in Spanien, Italien oder gar in Frankreich. Doch diese Länder haben (entsprechend ihrer Mentalität?) über Jahrzehnte hinweg sozialistisch regierende Parteien an die Macht gewählt, die mit rigidem Kündigungsschutz und sinkenden Arbeitszeiten für ein komfortables Leben sorgten.

Der Rest ist heute schon Geschichte: Weil die Südeuropäer nicht weniger verdienen wollten, nur weil sie immer kürzer, immer weniger (und immer weniger hart) arbeiteten, mussten ihre Staaten über höhere Transferleistungen die Einkommenslücke auffüllen – unglücklicherweise auf Pump.

Weniger verdienen, härter arbeiten – oder Exit

Man brauche vor Griechenlands Pleite keine Angst zu haben, weil das Land nur 2% der europäischen Wirtschaftsleistung darstellt? – Mit Portugal kommen aber schon weitere 2% dazu. Und mit Frankreich? Erinnert sich denn keiner mehr an die
1980er Jahre, als Franzosen und Italiener die geringere Qualität ihrer Autos mit der jährlich ritualisierten Abwertung ihrer Währungen (gegenüber Schilling und D-Mark) zu kompensieren wussten? Mit dem Euro geht das heute nicht mehr.

Folgerichtig mĂĽsste man jährlich – in der Höhe des ProduktivitätsrĂĽckstandes – die Löhne in den ehemaligen Weichwährungsländern absenken, den dortigen KĂĽndigungsschutz lockern und die Arbeitszeiten anheben.

Griechenland und Frankreich haben aber soeben das gegenteilige Programm gewählt – und Spanien wird noch folgen. Die bisherige unausgesprochene Klammer zwischen Nord- und Südeuropa, dernach „Deutschland das alles (wieder) bezahlen wird“, ist den Bundesbürgern nicht mehr zumutbar. Weil es die Haftungsübernahmen für seine maroden Nachbarn in der Existenz bedrohen.

Und deshalb wird der Euro bald verschwinden.

„Wandern oder Untergeh`n“

Nach der geordneten RĂĽckkehr ehemaliger Schwachwährungsländer zu ihren alten Währungen – und einer sofortigen Abwertung der selbigen – ist die innereuropäische Wander-Möglichkeit fĂĽr BĂĽrger auszubauen. Die Grenzen sind sofort zu öffnen. Es braucht eine gemeinsame EU-Armee, einen gemeinsamen EU-Präsidenten – und ein „echtes“ Parlament. Dazu echte EU-Wahlen (die tatsächlich etwas wählen) und ein mehrsprachiges Schul- und Verwaltungssystem – ähnlich dem der Schweiz.

In Kalifornien ist es heißer als in Griechenland, aber durch die Hunderte Jahre währende Binnenwanderung ließ „DER Amerikaner“ dort im Wüstenstaat großartige Firmen wie Google, Microsoft oder Amazon entstehen, wie man sie in Europa nur im Nordteil vermuten würde. Nicht die Verteilung hunderter Milliarden Euros an Strukturförderungen und Agrarbudgets wird Europa irgendwann zusammenschweißen – es ist die Schaffung eines „europäischen Mentalitätstyps“ –mit regionalem Einschlag. Erst wenn es in Griechenland genügend Tüftler aus dem Norden gibt und in Schwaben lebensfrohe Gastgeber, dann wird „DER Europäer“ für gleichförmig planbaren Wohlstand auf DEM europäischen Kontinent sorgen. Und dann erst macht Europas „Dollar“ einen Sinn.

Über den Autor: 

Michael Hörl ist Wirtschaftspublizist aus Salzburg. Er hat Europas erstes „Globalisierungskritik-kritisches“ Buch geschrieben, „Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute“.



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