Souveräne Menschen geben niemals auf

 

Gerd Schönfelder – 16facher Gewinner der Paralympics

In den 20 Jahren seiner Sportkarriere hat er 30 Goldmedaillen bei der WM und den Paralympics geholt. Er ist Behindertensportler der Jahre 2006 und 2010.

Seine Muskeln sind gut trainiert – fürs Skilaufen. Trotzdem wollen sie jetzt nicht mehr mitmachen und wehren sich durch Schmerzen. Denn Gerd Schönfelder belastet sie anders als sonst, – er will 42 Kilometer am Stück rennen. „Für den guten Zweck mache ich es!“, sagt er, als er beim „Obermain- Marathon“ mitläuft. Er will durchhalten, weil beim Erfolg ein Scheck an eine Stiftung geht, die krebskranken Kindern hilft. Das Leben ist für ihn eine ständige Herausforderung, die er meistern will. Und er will seinen Lebensmut anderen nicht nur vermitteln, sondern am besten gleich übertragen. Er schafft mit Mühe die lange Strecke und überquert keuchend und lachend die Ziellinie – sein erster Sieg an diesem Tag – über seinen eigenen Körper. Sein zweiter Sieg ist die Scheckübergabe an die Stiftung, die er so kommentiert: „Das ist fast so schön wie eine Goldmedaille.



„Burnout ist eine Kompetenz“

Mit Goldmedaillen kennt sich Gerd Schönfelder aus. Mittlerweile hat der sympathische Skisportler viele davon zuhause stehen, was ihm den Spitznamen „Gold-Gerd“ eintrug. Dass die Auszeichnungen dem Sportler nicht in den Schoß gefallen sind, versteht sich von selbst.

Warum der Spitzensportler darüber hinaus Klasse statt Masse ist, erklärt der Souveränitäts-Experte Theo Bergauer:

1.Schicksalsschlag als Herausforderung

1989 verunglückte der damals 19jährige auf dem Weg zur Arbeit, als er versuchte, in einen bereits anfahrenden Zug einzusteigen. Er verlor seinen rechten Arm und Teile der linken Hand. Ein paar Tage nach seinem Unfall sah er im Klinikbett eine Dokumentation über Olympiagewinner bei den Paralympics und er beschloss: „So einer werde ich auch!“. Kapitulation ist nicht seine Sache, er sah schnell in der persönlichen Krise eine Herausforderung. Der Abschluss seiner Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker war aussichtslos geworden, er schulte um zum Elektrotechniker in der Datenverarbeitung und er trainierte zäh und beständig verschiedene Sportarten. Er erkannte, dass Sport ihm half, ins normale Leben zurückzufinden. Der Sport, so sagt er immer wieder, ist überlebenswichtig für ihn. Dabei steht die Karriere im Wintersport nicht an erster Stelle, wenngleich ihn natürlich jede Auszeichnung erfreut. Am wichtigsten ist die Erkenntnis, dass Sport ihm hilft, auf der (Lebens)Strecke nach einem Hinfallen nicht liegen zu bleiben, sondern immer wieder aufzustehen. Er selbst sagt: „Geht nicht, gibt’s nicht“.

Souveräne Persönlichkeiten geben nicht auf!

2. Vorbild für andere

Hinfallen kann jeder einmal, man sollte nur nicht liegen bleiben. Gerd Schönfelder verkörpert den Typus Menschen, den wir Stehaufmännchen nennen. Andere hätten nach dem Verlust eines Armes und nach zahlreichen Operationen und Reha-Maßnahmen innerlich aufgegeben. Gerd Schönfelder besitzt die Bewunderung der meisten Menschen, weil er so stark um sich und auch um andere kämpft. Er ist davon überzeugt, trotz Handicap etwas Herausragendes leisten zu können und hat dies der Welt und sich selbst bewiesen. Er zeigt seiner Umwelt, dass es sich lohnt, zu kämpfen und motiviert andere Schicksalsgenossen, es ihm gleich zu tun. Die Zuschauer merken, dass sein Mut und Optimismus, mit denen er an die Herausforderungen herangeht, echt sind. Das beeindruckt nicht nur Sportbegeisterte.

Souveräne Persönlichkeiten führen der Welt vor, was sie aus Überzeugung leisten können.

3. Neue Ziele und Visionen

Bei der Weltmeisterschaft in Korea haben Gerd Schönfelder und sein Team wieder einmal richtig abgeräumt. Sie haben alle Ziele, die sie sich gesetzt haben, erreicht. Aber nach diesem einzigartigen Erfolg im alpinen Skisport mag er sich noch nicht zurücklehnen. Gerd Schönfelder setzt sich immer wieder neue Ziele und entwickelt Visionen, die ihn antreiben und zum Weitermachen motivieren. Im sportlichen Bereich fiebert er bereits den Paralympics in Vancouver entgegen, bei denen er im März nächsten Jahres wieder auf dem Treppchen stehen will. Als Gemeinderat seiner Heimatgemeinde in Kulmain setzt er sich für das Wohl seines Heimatortes und seiner Bürger ein, zum Ehrenbürger haben ihn die Kulmainer schon vor drei Jahren gekürt. Auch als Sportfachhändler braucht er immer wieder neue Ideen, um sein Geschäft erfolgreich in die Zukunft führen können.

Souveräne Persönlichkeiten setzen sich immer wieder neue Ziele und verwirklichen ihre Visionen.

4. Einsatz für andere

Dass er nicht nur sich selbst wieder auf die Beine half, sondern auch anderen Menschen hilft, sich nicht aufzugeben, zeigt sein Engagement bei Veranstaltungen, die Menschen in Not oder mit einem Handicap unterstützen. Sein Marathonlauf in Franken ist nur ein Beispiel von vielen: So sagte er spontan zu, als ihn die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung bat, bei der Kliniktour „Go for Paralympics“ als Botschafter aufzutreten. Der Kulmainer machte anderen Unfallopfern Mut für ein aktives Leben und zeigte die Möglichkeiten einer modernen Rehabilitation auf. Der 39jährige ist zudem Sprecher der behinderten Sportler und setzt sich für andere und sein Team ein. Als lebendes Beispiel eines gehandikapten Menschen mit einer beispiellosen Karriere besitzt er hohe Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft.

Souveräne Persönlichkeiten unterstützen andere Menschen.

5. Bodenständigkeit und Sympathie

Gerd Schönfelders offene und bescheidene Art im Umgang mit seinen Mitmenschen erweckt Sympathie. Der Sport hilft ihm, innerlich ausgeglichen und mit sich im Reinen zu sein, und wer mit ihm zu tun hat, spürt das auch. Der Spitzensportler könnte sich etwas auf seine Leistungen einbilden. Immerhin hat er nicht nur unzählige Medaillen errungen. Die Medien und Regierung haben ihn mit Auszeichnungen überschüttet: Der „Gold-Gerd“ besitzt das „Silberne Lorbeerblatt“ der Bundesregierung, die Leser des „Neuen Tages“ haben ihn fünfmal zum „Sportler des Jahres“ gewählt, er ist der „Winterstar“ des Bayrischen Rundfunks und der „Bild“ und Edmund Stoiber hat ihm den Sportpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten verliehen. Der „Behinderten-Sportler des Jahres“ besitzt auch u.a. den „Jetzt-erst-recht-Preis“. Gerd Schönfelder hätte Grund, abgehoben über dem Boden zu schweben, tut er aber nicht. Er hat sich seine Bodenständigkeit erhalten und sein Einsatz für andere kommt von Herzen.

 

Souveräne Persönlichkeiten verzichten auf affektiertes Gehabe und beeindrucken durch ihre ehrliche Bodenständigkeit.

Souveränität hat nichts mit Vollkommenheit zu tun. Gerd Schönfelders Körper entspricht durch sein Handikap nicht dem herrschenden Schönheitsideal eines vollkommenen Bodys, seine positive Ausstrahlung und seine Bereitschaft, für sich und andere zu kämpfen, machen seine Souveränität aus. Mit Dynamik und Optimismus verwirklicht er die Ziele, die er sich gesetzt hat. Und in der Beziehung ist er nicht bescheiden: Er will das Beste erreichen und schafft das auch – seine Leistungen grenzen an Perfektion.

Schreibe einen Kommentar