Worauf es bei langen Webtexten ankommt

Wie lange darf/kann/soll ein ONLINE-TEXTsein? Ist es ok, wenn der Nutzer scrollen muss? Wie viel Text verträgt meine Webseite überhaupt?

Mit diesen Fragen muss sich jeder beschäftigen, der eine Webseite plant oder textet. Und leider gibt es hier keine eindeutigen Antworten.

Generell gilt: Ein „Zuviel“ an Webtext gibt es nicht. Das zeigt Ihnen wahrscheinlich Ihr eigenes Verhalten im Web. Sicher haben Sie schon ganze Stunden auf interessanten Seiten verbracht, sich von Kapitel zu Kapitel durchgeklickt oder ellenlange Blogartikel gelesen. Warum? Weil Sie hier jene Infos gefunden haben, die Sie gerade benötigten.

Webtext darf also durchaus lang sein – ganz nach dem Motto: So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Allerdings muss er einige Bedingungen erfüllen, damit ihn der Webbesucher gerne liest:

WEBTEXT muss nützliche Infos enthalten

Ob Blog, Webshop oder klassische Firmenwebseite: Denken Sie immer daran, dass die Internetuser nach Informationen suchen – zu einem bestimmten Thema, zu einem speziellen Produkt, zu einem individuellen Problem.

Wer bei dieser Suche auf Ihren Seiten landet, bleibt nur dann, wenn er dort hilfreiche Inhalte findet, wie zum Beispiel

– Fallstudien

– Tutorials

– Anwendertipps

– Kundenberichte

– Fachartikel

– Checklisten

 

In diesem Fall wird der User auch längere Texte gerne lesen und die kostenlosen Infos zu schätzen wissen – was wiederum Ihrem Image nützt.

Wer hingegen nach einem bestimmten Produkt sucht, auf der Startseite Ihrer Firmenpräsenz landet und von einem Wust an schwammigem Marketingdeutsch empfangen wird, ist sofort wieder weg und sieht sich bei Ihren Konkurrenten um.

Webtext muss Ihren Zielen entsprechen

Wollen Sie sich als Experte positionieren? Soll Ihr Blog zu den wichtigsten Anlaufstellen Ihrer Branche zählen? Dann geizen Sie nicht mit Ihrem Wissen und stellen Sie auch längere Texte online. So profilieren Sie sich nachhaltig, werden gerne verlinkt und bieten auch den Suchmaschinen genügend Futter.

Wenn Sie hingegen hauptsächlich über Empfehlungen und persönliche Kontakte neue Kunden gewinnen und nur eine Art „Visitenkarte im Netz“ benötigen, dann genügen kurze, aber dennoch informative Texte.

Webtext muss gut geschrieben sein

Am Bildschirm lesen ist schon anstrengend genug – bereiten Sie deshalb Ihre Infos leicht lesbar auf. Schreiben Sie aktiv statt passiv, halten Sie Ihre Sätze kurz, ersetzen Sie Fremdwörter durch den deutschen Ausdruck, texten Sie freundlich und seriös und blähen Sie die Texte nicht unnötig auf.

Das gilt besonders für lange Texte im kommerziellen Bereich. Hier will sich niemand durch komplizierte Produktbeschreibungen quälen, durch verschachtelte Fallstudien oder schwer verständliche Pressemeldungen.

Webtext muss richtig aufgebaut sein

Kurze Webtexte lassen sich – die passende Schriftart, Schriftgröße und Zeilenlänge vorausgesetzt – schnell erfassen und verstehen.

Bei langen Texten sieht das schon anders aus. Eine Bleiwüste signalisiert dem Leser: Achtung, das wird anstrengend. Ein gut gegliederter Text hingegen wirkt leicht und luftig und macht das Lesen angenehm. Er bringt die wichtigsten Inhalte zuerst und führt dann ergänzende Details und Hintergrundinfos an.

Hier ein paar Tipps:

– Nutzen Sie informative Headlines, Teaser und Zwischenüberschriften.

– Halten Sie die Absätze kurz.

– Arbeiten Sie mit Listen und Aufzählungen.

– Formatieren Sie zentrale Begriffe in Fettschrift.

– Lockern Sie den Text mit erklärenden Fotos, Tabellen und Grafiken auf.

– Heben Sie wichtige Aussagen grafisch hervor.

Fazit

Lange Texte sind im Web durchaus erlaubt – auch auf ganz normalen Firmenseiten. Vorausgesetzt, Sie haben etwas zu sagen und nehmen sich Zeit für ein durchdachtes Konzept, eine sorgfältige Formulierung und eine ansprechende Gliederung.

Denken Sie einfach vom User her: Was interessiert den Leser, der über ein bestimmtes Suchwort auf Ihre Seiten gelangt ist? Welche Infos erwartet er sich? Und mit welchen Inhalten können Sie ihn begeistern und vielleicht sogar zum Kunden machen?

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Zur Autorin:
Dr. Doris Doppler arbeitet als freie Texterin und Wirtschaftsjournalistin in Innsbruck (A). Die promovierte Betriebswirtin verfasst Broschüren und Webseiten, optimiert bestehende Texte und entwickelt Konzepte zur Corporate Language. Sie ist für Direktkunden und Agenturen im gesamten deutschsprachigen Raum tätig.

mail: doppler@ddoppler.com
web: www.ddoppler.com

  6 comments for “Worauf es bei langen Webtexten ankommt

  1. 23. August 2011 at 09:45

    Dazu möchte ich gerne noch ergänzen.

    Es ist vollkommen richtig. Es gibt einen Satz bei den amerikanischen Longcopy Textern: The more you tell, the more you sell.

    Ob ich mich nun als Experte etablieren will, oder ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen möchte.

    Es gilt der Grundsatz: Je höher der Preis, desto mehr muss ich erzählen. Auch wenn ich Expertenstatus erreichen möchte… Dies ist ebenfalls ein Verkaufsprozess.

    Im Idealfall sollte der Text eine ganz bestimmte Struktur verfolgen und extrem wichtige Elemente erhalten.
    Gerade eine Webcopy sollte im Internet ganz klar Mehrwert enthalten. Bereits ein, zwei hochwertige Tipps.

    Der Text sollte eine Geschichte enthalten und meiner Meinung nach zwei weitere ganz wichtige Elemente die da wären:

    – den charismatischen Verkaufsansatz
    – und Unterhaltung!

    Über letzen Punkt lässt sich sicher trefflich streiten.

    Geht das im Finanzbereich? Den Leser unterhalten. Eine Art Event aus dem Text zu machen?

    Sie werden wenn Sie über meinen Link auf meinen Blog kommen sicher erst einmal erschreckt sein, wenn Sie die Art lesen, die ich verwende um meine Zielgruppe anzusprechen.

    Aber auch hier ist ein maßgeblich wichtiger Punkt.

    Sprich mit den Worten deiner Zielgruppe!

    Das kann ich auf die Art ganz sicher nicht auf einem Finanzportal machen.

    DAS schließt aber nicht aus, dass man den Leser nicht unterhalten kann. Mein Meinung stütze ich auf die große Veränderung im Online-Marketing durch die Macht von Social Media.

    Wer auf Facebook dem Fan kein Event anbietet wird zurück bleiben.

    Das breitet sich allmählich immer stärker im Gesamten Web aus.

    Deshalb ist mein Ziel immer dem Kunden ein Lächeln abzuringen.

    Denn wie Gary Halbert, einer der größten Copywriter überhaupt, schön gesagt hat.

    Schaffst du es die Menschen in deiner Copy zum Lachen zu bringen, bist du schon auf dem richtigen Weg zum Verkauf.

    Grüße

    Mario Burgard
    Direkt Mainling Texter
    Direct Response Advertising

  2. 23. August 2011 at 10:01

    Hallo Mario,

    danke für das ausführliche Kommentar.
    Sehr interessant 🙂

    Praxis Grüße
    Dejan N.

  3. 26. Juni 2012 at 01:41

    Lange Webtexte schreiben sich natürlich sehr viel schwieriger als kurze. Ganz klar, die Leser müssen sehr viel länger gehalten werden. Die Zielgruppe ist dabei nicht unwichtig.

  4. 27. Juni 2012 at 08:12

    Sehr ausführliche und übersichtliche Beschreibung 🙂 Beschreibt genau das, worauf es wirklich ankommt. Lange Texte sind durchaus ok, aber dann mit eindeutigem Mehrwert und ohne Geschwafel. Auflockerungen wie Headlines, kurze Absätze und das Markieren einzelner relevanter Begriffe trägt da Einiges zu bei.

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