Nahostkonflikt: Volatilitätskluft USA vs. Asien
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Die jüngste Eskalation im Nahen Osten hat erwartungsgemäß eine Welle risikoscheuer Stimmung an den globalen Märkten ausgelöst. Die Märkte reagieren oft schnell auf geopolitische Schlagzeilen, aber die Geschichte zeigt, dass die wirtschaftlichen und marktbezogenen Folgen häufig weniger nachhaltig sind als zunächst befürchtet. Auch wenn die humanitären Opfer zutiefst besorgniserregend und die Schlagzeilen beunruhigend sind, bleibt unser Basisszenario ein Nachlassen der geopolitischen Nachrichten.
Kontinuität statt Chaos
Spekulationen über Szenarien wie die Fragmentierung des Iran oder eine rasche politische Liberalisierung erscheinen übertrieben. Ein vollständiger Zerfall des Landes ist unserer Ansicht nach ein Tail-Risiko mit extrem geringer Wahrscheinlichkeit, und ein schneller Übergang zu einem demokratischen System erscheint in naher Zukunft ebenso unwahrscheinlich.
Sollte es doch zu politischen Veränderungen kommen, würden diese eher einer internen Umbildung der Führung als einer Transformation des Systems ähneln, also eher einem „Wechsel des Jockeys als einem Wechsel des Pferdes”. Derzeit gibt es jedoch kaum konkrete Anzeichen für eine solche Veränderung. Das bestimmende Merkmal der aktuellen Lage bleibt die Ungewissheit, mit unvollständigen Informationen und zahlreichen Spekulationen.
Der Golf-Kooperationsrat (GCC): Stabilität bleibt das Basisszenario
In jüngsten Kommentaren wurde in Frage gestellt, ob der Golf-Kooperationsrat (GCC) seinen Ruf als stabiler Finanzplatz aufrechterhalten kann. Wir schätzen die Gefahr dafür als gering ein.
„Die Golfstaaten verfügen weiterhin über starke institutionelle Rahmenbedingungen, beträchtliche Finanzreserven und ein strategisches Bekenntnis zur wirtschaftlichen Diversifizierung, die alle einen bedeutenden Puffer gegen geopolitische Schocks bilden“, sagt Christopher Lees, Senior Fund Manager bei JO Hambro.
Asiens Abhängigkeit von den Energielieferungen
Eines der auffälligsten Merkmale des jüngsten Ausverkaufs ist die geografische Divergenz der Volatilität. Während der US-VIX während der jüngsten Eskalation kurzzeitig Werte im hohen 20er-Bereich erreichte, sind die asiatischen Volatilitätsindizes deutlich stärker gestiegen. Diese Diskrepanz spiegelt die größere Abhängigkeit Asiens von den Energielieferungen aus der Golfregion wider, da Störungen in der Straße von Hormus einen großen Teil der Öl- und LNG-Exporte in die asiatischen Volkswirtschaften beeinträchtigen könnten. Für Anleger könnte diese Divergenz eher eine Chance als nur ein Warnsignal darstellen.
Korea: Eine überzeugende Gelegenheit zum „Kaufen bei Kursrückgängen”
Der starke Anstieg der Volatilität am koreanischen Markt scheint nichts mit den inländischen Fundamentaldaten zu tun zu haben. Drei starke strukturelle Faktoren stützen weiterhin das Anlageargument: Keiner dieser strukturellen Faktoren hat sich geändert. Die jüngste Schwäche der koreanischen Aktien spiegelt eher die Sorge um mögliche Unterbrechungen der Energieversorgung wider als eine Verschlechterung der Wirtschaftsaussichten des Landes.
Der Superzyklus der Halbleiter: Die weltweite Nachfrage nach KI-Infrastruktur und fortschrittlichen Chips ist weiterhin stark und dürfte von regionalen geopolitischen Spannungen kaum beeinträchtigt werden.
Gewinnmomentum: Die Unternehmensrentabilität in wichtigen Sektoren tendiert weiterhin nach oben.
Aktionärsreformen: Regierungsinitiativen wie das Value-Up-Programm zielen darauf ab, den seit langem bestehenden „Korea-Discount” zu beseitigen und die Unternehmensführung zu verbessern.
Goldminenunternehmen und Liquiditätsverkäufe
Eine interessante Dynamik während des Ausverkaufs war das Verhalten von Goldminenaktien. Obwohl die Goldpreise relativ stabil blieben, was ihrer traditionellen Rolle als sicherer Hafen in Zeiten geopolitischer Spannungen entspricht, gaben Goldminenaktien nach. Dies spiegelt ihr Aktien-Beta wider, das dazu führt, dass sie in Zeiten erzwungener Liquidationen oft parallel zu den breiteren Aktienmärkten fallen
Nachdem sie mit starker Dynamik in diese Phase gestartet waren, wurden Bergbauaktien zu einer einfachen Liquiditätsquelle für Anleger, die während der ersten Welle der Panikverkäufe Bargeld beschaffen wollten.
Fazit
Die Märkte preisen derzeit „Worst-Case-Szenarien” ein, die wir einfach nicht für wahrscheinlich halten. Inmitten des wahllosen Ausverkaufs hochwertiger Vermögenswerte, die ins Kreuzfeuer geraten sind, halten wir Ausschau nach vorzeitigen Geburtstagsgeschenken. Wir nutzen diese Volatilität, um Positionen in Unternehmen aufzubauen, bei denen der Markt überreagiert hat und hervorragende Werte liegen geblieben sind. Anstatt emotional auf die Volatilität zu reagieren, bleiben wir diszipliniert und konzentrieren uns auf die Fundamentaldaten.

