Krypto-Investor Roman German: Das Bitcoin-Muster deutet auf das Ende der Abwärtsphase hin

Nach Einschätzung des Krypto-Investors Roman German folgt Bitcoin weiterhin dem alten Vierjahreszyklus. Sollte sich das Muster bestätigen, könnte die Abwärtsphase, die nach dem Kurshoch im Oktober letzten Jahres einsetzte, nun ihrem Ende entgegengehen.
Krypto-Investor Roman German: Das Bitcoin-Muster deutet auf das Ende der Abwärtsphase hin

Bitcoin vor der Wende? Dieses Muster macht Anlegern Hoffnung

Der Kryptomarkt steht wieder unter Druck. Bitcoin ist vom Hoch um etwa 40 Prozent gefallen, und viele kleinere Kryptoanlagen liegen im Minus. Krypto-Investor Roman German sieht darin jedoch noch kein Zeichen dafür, dass der Markt gebrochen wäre. Seinen Worten zufolge verhält sich Bitcoin weiterhin nach dem alten Muster.

„Ich mache mir deshalb keine Sorgen, denn es scheint, dass Bitcoin weiterhin dem Vier-Jahres-Zyklus folgt“, sagte German.

Seiner Einschätzung nach begann die aktuelle Abwärtsphase nach dem im Oktober des vergangenen Jahres erreichten Kurshoch. Auf Basis früherer Zyklen dauert eine solche Phase seinen Worten zufolge gewöhnlich etwa zwölf bis 13 Monate, so das Finanzportal Äripäev. Wenn sich dasselbe Muster auch diesmal wiederholt, könnte der Kryptomarkt in eine Phase gelangen, in der der größte Abwärtsdruck nachzulassen beginnt.

German räumte ein, dass er zwischenzeitlich selbst dachte, der bisherige Vier-Jahres-Zyklus könne diesmal brechen. Der Grund dafür war, dass Bitcoin-ETFs auf den Markt gekommen waren und bei institutionellen Investoren ein größeres Interesse an Kryptoanlagen entstanden war.

„Ehrlich gesagt dachte ich selbst, dass dieser Zyklus diesmal zum ersten Mal brechen könnte, da sich inzwischen viel verändert hat, Bitcoin-ETFs kamen und andere Entwicklungen. Aber es scheint, dass es doch nicht so gekommen ist“, sagte German.

Seiner Einschätzung nach bedeutet das nicht, dass Bitcoin ein risikofreier Vermögenswert wäre oder dass der Rückgang sicher vorbei ist. Er sieht in der aktuellen Marktlage jedoch eher die Wiederholung eines früheren Musters als etwas völlig Neues.

„Ich konzentriere mich eigentlich nicht auf den Preis“

Die Krypto-Enthusiastin Silvia Kairet Põld hält den kurzfristigen Kursrückgang nicht für die wichtigste Messgröße. Sie ist seit 2017 am Kryptomarkt aktiv und hat in dieser Zeit sowohl starke Anstiege als auch scharfe Rückgänge erlebt.

„Ich konzentriere mich eigentlich nicht auf den Preis. Für mich ist eher das größere Bild wichtig, zu sehen, wie diese Technologie eingesetzt wird und welchen Wert sie in der Gesellschaft schafft“, sagte Põld.

Ihrer Ansicht nach kann sich der tatsächliche Wert der Kryptotechnologie besonders dort zeigen, wo das traditionelle Finanzsystem nicht gut funktioniert. In Ländern etwa, in denen die lokale Währung an Wert verloren hat oder Menschen keinen Zugang zu üblichen Bankdienstleistungen haben, können digitale Vermögenswerte eine praktische Rolle spielen.

Nach Põlds Einschätzung ist Krypto nicht nur eine spekulative Anlagemöglichkeit. Für sie ist auch wichtig, ob die Technologie Menschen und Unternehmen alternative Finanzlösungen bieten kann.

Mit Bitcoin kauft man keinen Kaffee

Obwohl Bitcoin der zentrale Vermögenswert des Kryptomarktes ist, glaubt German nicht, dass daraus ein alltägliches Zahlungsmittel wird. Seiner Einschätzung nach ist die Idee aus den Anfangsjahren, mit Bitcoin im Laden, im Café oder im Restaurant zu bezahlen, eher in den Hintergrund getreten.

„Ich glaube nicht, dass Bitcoin zu einer alltäglichen Währung wird, mit der Menschen im Geschäft kaufen und verkaufen“, sagte er.

Der wichtigste Grund ist seinen Worten zufolge der Opportunitätsverlust. Wenn jemand heute einen kleinen Betrag in Bitcoin ausgibt, kann er später denken, dass dieselbe Menge Bitcoin nach Jahren viel mehr wert gewesen wäre.

„Wenn du heute fünf Euro ausgibst, dann könnten diese fünf Euro vielleicht in zehn Jahren 500 oder 5.000 Euro wert sein. Ich denke, das ist einer der Gründe, weshalb Menschen ihre Bitcoins nicht ausgeben möchten“, erklärte German.

Deshalb sieht er die Rolle von Bitcoin eher als Mittel zur Vermögenssicherung.

„Bitcoin ist zu digitalem Gold geworden oder wird es zumindest, das zum Zweck der Vermögenserhaltung gekauft wird“, sagte German.

Põld teilt diese Sicht. Ihrer Meinung nach eignet sich Bitcoin eher zur Wertaufbewahrung als als alltägliches Zahlungsmittel. Wenn bei einem Vermögenswert langfristig steigende Preise erwartet werden, ist seine Nutzung für kleine Einkäufe für Menschen nicht naheliegend.

Wenn Bitcoin in Richtung digitales Gold geht, sehen sowohl German als auch Põld bei alltäglichen Zahlungen größeres Potenzial in Stablecoins. Dabei handelt es sich um digitale Vermögenswerte, deren Wert an eine traditionelle Währung gekoppelt ist, meistens an den US-Dollar. Die bekanntesten Beispiele sind USDT und USDC.

German zufolge werden Stablecoins bereits heute bei Abrechnungen zwischen Unternehmen genutzt.

„Ich habe durchaus gesehen, dass mit Stablecoins wie USDT und USDC ziemlich viele Käufe getätigt werden. Unternehmen rechnen darüber ab, es wird zum Beispiel eine Rechnung in USDC gestellt, und ein anderes Unternehmen bezahlt sie. Das ist einfach“, sagte er.

Der Vorteil von Stablecoins ist seinen Worten zufolge ihre Verständlichkeit. Während der Bitcoin-Preis schnell schwanken kann, ist es für Unternehmen bei einem an den Dollar gekoppelten digitalen Vermögenswert einfacher, Buchhaltung zu führen und Zahlungen abzuwickeln.

Auch Põld sieht in Stablecoins ein Mittel, das Krypto näher an die Alltagsnutzung bringen kann.

„Ich glaube, dass Stablecoins dafür eine bessere Möglichkeit schaffen, wenn ich etwas kaufen möchte, aber kein großes Volatilitätsrisiko eingehen will“, sagte sie.

Ihr zufolge ist das Bezahlen mit Krypto technisch bereits heute auch so möglich, dass der Händler selbst keine Kryptowährung annehmen muss. Der Nutzer kann mit einer Kryptokarte zahlen, das System tauscht den digitalen Vermögenswert automatisch in Euro oder Dollar, und für den Händler sieht die Transaktion wie eine normale Kartenzahlung aus.

„Das alles ist bereits möglich. Die Karte konvertiert das Geld einfach automatisch, nimmt es aus deiner Krypto-Wallet und tauscht es automatisch in Euro, Dollar oder was immer nötig ist“, erklärte Põld.

Ethereum könnte für den Nutzer unsichtbar bleiben

Neben Bitcoin sieht German auch bei Ethereum eine wichtige Rolle, allerdings nicht als alltägliches Zahlungsmittel. Seiner Einschätzung nach könnte Ethereum zur Softwareschicht der Finanzwelt werden, die Banken und Finanzinstitute im Hintergrund nutzen.

„Ethereum wird meiner Ansicht nach zur Softwareschicht der gesamten Finanzwelt“, sagte German.

In seiner Vorstellung bedeutet das nicht, dass der normale Mensch Ethereum selbst nutzen oder die technischen Einzelheiten der Blockchain verstehen muss. Ein Mensch kann weiterhin mit Bankkarte, Telefon oder Banking-App bezahlen, während die technische Seite der Transaktion auf eine neue Infrastruktur wandert.

„Die Kryptotechnologie ersetzt die alte Technologie so, dass sich für den gewöhnlichen Menschen scheinbar nichts ändert. Die Veränderung geschieht im Hintergrund, und der Mensch merkt möglicherweise gar nicht, dass sich etwas verändert hat“, sagte German.

Seinen Worten zufolge hat sich die Haltung großer Finanzinstitute zu Krypto bereits verändert. Während früher viele Investmentbanken von oben herab darauf blickten, ist das Bild heute anders.

„Wenn man auf große Investmentbanken schaut, die vor zehn Jahren über Krypto lachten, dann haben heute alle ihre eigenen Bitcoin- und Ethereum-ETFs. Zudem haben viele von ihnen Projekte, in denen sie diese Technologie selbst nutzen“, sagte er.

Nach Germans Einschätzung zeigt das, dass Kryptotechnologie kein Randphänomen mehr ist.

„Technologischen Fortschritt dreht man nicht zurück. Diese Technologie ist gekommen, um zu bleiben“, sagte German.

Regulierung kann den Markt ordnen

Nach Põlds Einschätzung wird die nächste Phase des Kryptomarktes stärker reguliert sein als bisher. In europäischen Vorschriften, darunter dem MiCA-Rahmen, sieht sie eher eine notwendige Entwicklungsstufe als nur eine Gefahr.

Ihrer Ansicht nach ist der Markt derzeit unübersichtlich, doch klarere Regeln können helfen, stärkere und vertrauenswürdigere Akteure von jenen zu trennen, die langfristig nicht bestehen werden.

„Das entfernt sehr viele vom Markt, vielleicht nicht nur Gauner, aber am Ende bleiben die stärksten und wohlhabendsten Akteure übrig. Das sorgt derzeit am Markt sicher für eine Korrektur“, sagte Põld.

Nach Põlds Einschätzung kann der Einfluss der Regulierung zunächst eine Korrektur am Markt bedeuten, langfristig den Sektor aber ordnen. Einen Vorteil hätten jene, die verlässliche Dienstleistungen anbieten und sich an die Regulierung anpassen können.

German kommentierte die genaueren Auswirkungen der europäischen Regulierung nicht, da er nach eigenen Worten über die jüngsten Entwicklungen nicht ausreichend informiert war.

Digitaler Euro und Dollar könnten neben Bitcoin treten

Neben Stablecoins könnten künftig auch digitale Zentralbankwährungen eine Rolle bei Zahlungen übernehmen, etwa der digitale Euro oder der digitale Dollar. German sieht sie nicht zwingend als Ersatz für Bitcoin, sondern eher als neue Alternativen.

„Es werden von Zentralbanken geschaffene Krypto-Euro und Krypto-Dollar kommen. Ich glaube, dass sie einfach zu Alternativen zu Bitcoin werden“, sagte er.

Auch Põld sieht, dass staatliche Digitalwährungen künftig in alltägliche Zahlungen gelangen könnten. Ihrer Einschätzung nach könnten genau diese Lösungen stärker auf normale Nutzer ausgerichtet werden, etwa für den Kauf von Milch im Laden oder andere alltägliche Transaktionen.

Das alte Muster gibt keine Garantie, aber einen Rahmen

Aus den Sichtweisen von German und Põld entsteht das Bild eines Kryptomarktes, der zugleich fällt und sich verändert. Kurzfristig steht die Frage im Mittelpunkt, ob das frühere Vier-Jahres-Muster von Bitcoin auch diesmal hält und ob die nach dem Kurshoch im Oktober begonnene Abwärtsphase ihrem Ende näher kommt.

Langfristig sehen beide Investoren, dass die Rolle von Krypto eine andere sein könnte, als in den Anfangsjahren erhofft wurde. Bitcoin dürfte nicht zum alltäglichen Zahlungsmittel werden, sondern eher zum Wertspeicher. Stablecoins könnten die praktischere Rolle als Zahlungsmittel übernehmen. Ethereum und andere blockchainbasierte Lösungen könnten in die Hintergrundsysteme von Finanzinstituten wandern. Staatliche Digitalwährungen könnten wiederum neben die bestehenden Kryptoanlagen treten.

Das bedeutet nicht, dass der Kryptomarkt risikofrei wird oder Kursschwankungen verschwinden. Nach Germans Einschätzung ist der aktuelle Rückgang jedoch noch kein Zeichen dafür, dass das alte Muster gebrochen wäre. Wenn der bisherige Zyklus anhält, könnte die schmerzhafteste Phase des Kryptomarktes näher am Ende als am Anfang sein.

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