Europa nach wie vor günstig bewertet

Europäische Aktien weisen nach wie vor einen erheblichen Abschlag gegenüber den US-Aktien auf, obwohl für die Jahre 2026 und 2027 eine ähnliche Gewinnentwicklung erwartet wird. Diese Bewertungslücke stellt nach wie vor eine Chance dar, die sich mit der Zeit teilweise schließen dürfte, sobald Europa durch fiskal- und wirtschaftspolitische Maßnahmen sowie Regulierungsreformen wieder verstärkt auf Wachstum in Europa setzt. „Der Konflikt im Iran ist unserer Ansicht nach ein kurzfristiger Rückschlag in diesem Konvergenzprozess, da die höheren Energiekosten Europa gegenüber den USA benachteiligen. Angesichts der Tatsache, dass wir davon ausgehen, dass der Konflikt nur vorübergehend ist, sehen wir die aktuelle Volatilität als Möglichkeit für Anleger“, kommentiert Francesco Sedati, Head of Equity Research and Management bei Eurizon.

Makroökonische Faktoren wie Zinssenkungen oder wirtschaftliche Stabilisierung bleiben wichtige Performance-Treiber, da sie einen Wirtschafts- und Gewinnwachstumspfad unterstützen dürften, der sich dem der USA annähert. Die Reaktion der EZB auf den Anstieg der Ölpreise und möglicherweise der Inflation zu bewerten, wird wichtig sein, um zu verstehen, ob die Unterstützung des Wachstums Vorrang vor der Preisstabilisierung erhält.

Nachhaltige Dynamik oder kurzfristige Erholung?
Hinter der Erholung Europas stehen mehrere strukturelle Treiber: fiskalische Impulse, ein Prozess der Banken- und Finanzintegration sowie eine klare und sichtbare Umstrukturierung des Unternehmenssektors, die in vielen Ländern, angefangen bei Deutschland, stattfindet. „Dies stimmt uns zuversichtlich, dass es sich nicht nur um eine vorübergehende und zyklische Entwicklung handelt, sondern dass alle Voraussetzungen gegeben sind, um wieder an Schwung zu gewinnen, sobald sich der Konflikt im Iran beruhigt hat“, so Sedati.

Europa ist angesichts des potenziellen Wachstums, das es in den nächsten Jahren entfalten kann, günstig bewertet. Zudem stellt es ein wichtiges Element der Diversifizierung dar, da sich die Wachstumsmotoren von denen in den USA und Asien unterscheiden. Diese werden weitgehend, wenn nicht sogar ausschließlich von Technologie und KI angetrieben. Die US-Märkte werden stark von einigen wenigen großen Technologieunternehmen dominiert. Dieses Konzentrationsrisiko für Portfolioentscheidungen ist in der Tat relevant, da ein Großteil der Performance von wenigen Aktien und Positionen an den US-Märkten getrieben wird. Wie in den letzten Jahren zu beobachten war, können Zweifel an der Nachhaltigkeit des Technologie- oder KI-Trends erhebliche Auswirkungen auf den absoluten Drawdown des Portfolios haben. Deshalb ist Europa eine diversifizierende Komponente in einem Portfolio, da sein Wachstum auf anderen Treibern beruht: Wirtschaftsausgaben, die Erholung des Konsums und Banken.

Aus Sektorensicht waren Banken in den letzten Jahren ein bedeutender Treiber für Europa und sind aus Sicht der Kapitalrückführung weiterhin attraktiv. „Auch den Industriesektor sehen wir als interessant an, da er im Mittelpunkt der Haushaltspläne (Verteidigung, Infrastruktur) und der Ausgaben für Rechenzentren steht. Schließlich profitieren auch die Versorger stark von der Elektrifizierung der Netze und der Stromversorgung von Rechenzentren“, fasst Sedati zusammen.

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