Makroökonomische und geopolitische (schlechte) Nachrichten überlagern aktuell die (guten) mikroökonomischen und Bottom-up-Nachrichten. Der Iran ist wieder zum wichtigsten Treiber der Finanzmärkte geworden, denn die Fed greift wieder ein. Während die USA möglicherweise durch ihren erstaunlichen Erfolg in Venezuela zu optimistisch wurde, könnte der Iran meiner Einschätzung nach durch die Widerstandsfähigkeit der Ukraine gegenüber Russland nach ermutigt worden sein. „Noch im März, April und Mai war die Tech-Story stark genug, um sich unbeeindruckt vom Iran-Krieg weiterzuentwickeln. Mittlerweile lässt diese sich jedoch leicht vom Iran-Krieg „anstecken“, vor allem da die Tech-Story inzwischen ausgereifter und besser bewertet ist. Trotz äußerst positiver Umsätze und Gewinne konnten die großen Namen im Hard-Tech-Bereich keine boomenden Aktienkurse verzeichnen. Wir sind vorerst von einer Aktienmentalität des Prinzips „unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist“ zu einem Prinzip „schuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist“ übergegangen“, kommentiert Stephen Li Jen, CEO von Eurizon SLJ Capital. Es bleibt abzuwarten, wie lange das anhält, denn die Gewinne sind nach wie vor außerordentlich stark. Angesichts der Nachrichten aus dem Iran brauchen Anleger möglicherweise einen Vorwand zum Kauf.
Europa könnte letztendlich Handelsmaßnahmen mit China beginnen
Weiterhin machen negative Nachrichten aus der deutschen Industrie Schlagzeilen. Bei dem derzeitigen Tempo könnten Deutschland und weite Teile Europas durch China deindustrialisiert werden. „Ich habe gerade etwas aus einem anderen Bereich (Isaac Newtons Biografie) gelesen und dabei das Wort „inert“ entdeckt. Heutzutage scheint alles auf der Welt miteinander verbunden zu sein und auf alles andere zu reagieren – außer Europa: Europa war träge und reagierte auf die meisten Provokationen nicht“, so Stephen Li Jen. Chinas Wettbewerbsfähigkeit, die zum Teil durch staatliche Subventionen und einen schwachen RMB unterstützt wird, ist mittlerweile jedoch überwältigend und stellt eine Bedrohung für Europa dar. Handelsmaßnahmen sind vermutlich kein fernes Risiko.

