Studie: Wie Geschlecht und soziales Umfeld den Bildungserfolg mitbestimmen

The Trouble with Boys

Eine neue Studie bringt hervor, dass Jungen stärker vom Familienleben beeinflusst werden als Mädchen und, dass sie als direkte Konsequenz von kurzzeitigen Schulsuspendierungen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit eine Universität besuchen und einen Hochschulabschluss erwerben.

Die stärker ausgeprägte Tendenz von Jungen, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln und in der Schule negativ aufzufallen, führt dazu, dass es viele von ihnen nicht an die Universität schaffen. Eine neue Studie, geleitet von Marianne Bertrand, Wirtschaftsprofessorin an der University of Chicago Booth School of Business, analysiert die Bedeutung von sozialen Einflüssen für den geschlechtsspezifischen Unterschied im Bereich der nicht-kognitiven Entwicklung. Sie kann nachweisen, dass Defizite im Verhalten und in der Selbstkontrolle wichtige Einflussfaktoren für zukünftige Bildungsergebnisse darstellen.

Im Zentrum der Analyse steht eine repräsentative Stichprobe von 20.000 Jungen und Mädchen, die 1988 in den Kindergarten gekommen sind. „Unsere Analyse zeigt, dass bis zur 8. Klasse beinahe jeder vierte Junge und nur jedes zehnte Mädchen mit einer kurzfristigen Suspendierung sanktioniert wurden“, erklärt Prof. Bertrand. Die Studienergebnisse bringen hervor, dass sich durch eine Suspendierung vom Unterricht die Wahrscheinlichkeit das Gymnasium abzuschließen um 17 Prozent, die Wahrscheinlichkeit eine Universität zu besuchen um 16 Prozent und die Wahrscheinlichkeit einen Hochschulabschluss zu erwerben um 9 Prozent reduziert.

Um die geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich der Schulsuspendierungen zu erklären, untersuchten die Forscher Verhaltensauffälligkeiten von Jungen und Mädchen mit besonderem Fokus auf die Häufigkeit, in der ein Kind laufende Aktivitäten stört, ärgerlich wird, impulsiv handelt oder sich streitet oder prügelt.

Es wurde sowohl das Verhalten in der Schule als auch zuhause analysiert. Dabei fanden die Forscher jedoch keine Hinweise darauf, dass schulische Einflüsse, wie z.B. störende Mitschüler im Umfeld, signifikante Auswirkungen gehabt hätten.

Bei der Untersuchung der häuslichen Umgebung fanden sie jedoch interessantere Erklärungsansätze. Die Studie zeigt insbesondere, dass Jungen, die nicht in einer traditionellen Familie aufwachsen, in ihrer kognitiven Entwicklung Mädchen gegenüber benachteiligt sind. Beispielsweise ist der geschlechtsspezifische Unterschied bei Verhaltensproblemen in der fünften Klasse unter Kindern, die bei alleinerziehenden Müttern aufwachsen, im Vergleich zu Kindern in traditionellen Familien beinahe doppelt so groß.

Außerdem werden auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bedeutung ausgemacht, die elterliche Investitionen in eine erfolgreiche psychosoziale Entwicklung ihres Kindes haben. Und genau hierin begründet sich, warum es Jungen aus nicht-intakten Familien in der Regel schwerer haben als Mädchen: Oftmals sind es eben die nicht-intakten Familien, in denen die Qualität und die Höhe der elterlichen Investitionen begrenzt sind. Die nicht-kognitive Entwicklung von Jungen aber scheint – anders als bei Mädchen – sehr stark auf eben diese Investitionen zu reagieren.

„Insgesamt deuten unsere Ergebnisse stark darauf hin, dass das Defizit in nicht-kognitiven Fähigkeiten von Jungen nicht nur biologisch bedingt ist, sondern stattdessen sehr stark von den Umwelteinflüssen abhängt, insbesondere von der Familie“, resümiert Prof. Bertrand.

Die Studie mit dem Originaltitel „The Trouble with Boys: Social Influences and the Gender Gap in Disruptive Behaviour“ von Marianne Bertrand, Wirtschaftsprofessorin an der University of Chicago Booth School of Business und Jessica Pan, Assistenzprofessorin für Wirtschaft an der National University of Singapore, wurde vom National Bureau of Economic Research im Oktober 2011 veröffentlicht und kann Ihnen auf Wunsch zugesandt werden.

 

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