Markenkommunikation 2.0: Etwa doch Quantität statt Qualität?

Artikel von Dominic Multerer

Diese ewige Predigt vom Heiland Social Media kann ich nicht mehr hören. Es geht nicht nur mir so, liebe Leser.

Social Media ist auf dem Vormarsch. Nichts wird in der Marketingbranche momentan mehr diskutiert als dieses Thema. Unternehmen setzten verstärkt auf Facebook, Twitter und Co. und versuchen damit ihre Kommunikation an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen.

Doch ist das wirklich der einzige und richtige Weg?

Social Media als Hype

Eine kleine Anekdote eines Erlebnisses, welches mich vergangene Woche in Dortmund ereilte. Zwischen zwei Terminen verschlug es mich in eine stationäre Buchhandlung, ja ein physischer Laden – kein Amazon-Store.

Von meiner Marketingleidenschaft getrieben suchte ich das Regal im 3. Stock auf und war erstaunt, verwirrt und zugleich schockiert. Meine Augen erfassten zu 80% “neue” Literatur zum Thema Social Media, Facebook, Twitter und Web 2.0. Mit der Tatsache, dass alte Schinken wie die Grundlagenliteratur von Meffert, Bruhn und Kottler dort auch (in kleinen Mengen) zu finden waren, lösche ich meine Kritik ein wenig ab.


Es stört mich gar nicht, dass Social Media als “Idee” des Kommunikationswandels der Gesellschaft verstanden wird. Es nervt mich nur, dass es als Marketinginstrument in Unternehmen erfasst wird. Hat mal jemand daran gedacht, dass die gesamte Markenkommunikation mit der gesellschaftlichen Kommunikationsveränderung passiert – und jeder Bereich sich daher wandelt? Es ist ein langfristiger Prozess der durchdacht werden muss. Gesamte Marken ändern sich und da müssen alle Bereiche mitziehen: Personal, Finance, IT – einfach alle.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Warum das ganze – ist Social Media etwa zu dem Allheilmittel geworden und gibt es keine anderen Marketinginstrumente mehr?

Schnell kommt der Verdacht auf, dass nun etwa doch Quantität mehr zählt als Qualität. Hauptsache man hat als Unternehmen eine Fanpage auf Facebook und postet jeden Tag unternehmensinterne News auf Twitter. Wie genau differenzieren sich Unternehmen dann von ihren Wettbewerbern?

Wo bleibt die Wettbewerbsdifferenzierung?

Social Media wird momentan derartig gehyped, so dass es kaum verwunderlich ist dutzende Bücher darüber zu finden. Verwunderlich ist auch nicht, dass viele Unternehmen nicht wissen wie sie genau an das Thema herangehen sollen. Es herrscht Verunsicherung bei den unzähligen Meinungen in Büchern, Foren, Blog und Fachartikeln.

Am allerwichtigsten ist jedoch, dass Unternehmen ihre eigene Unternehmenskultur analysieren um sich schließlich auf ihre wichtigsten Markenwerte zu besinnen und dem entsprechend eine Marketingstrategie entwickeln.

Denn Unternehmen müssen mit Strategie und Taktik an das Thema Social Media herangehen. Qualität ist noch immer wichtiger als Quantität, und die macht sich auch bezahlbar. Kunden wissen Qualität zu schätzen und erkennen schnell wer es ernst meint.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Marketingchef eines mittelständischen deutschen Unternehmens und Sie operieren ausschließlich in Deutschland.

Dann müssen Sie sich strategisch die Frage stellen, wie kann ich langfristig mit meiner Marke kommunizieren? Die Entscheider von morgen haben ein anderes Kommunikations- und Informationsverhalten, worauf ich schon heute reagieren muss – nur wie?

Dieses Beispiel soll dazu dienen, zu verstehen, dass sich Unternehmen zunächst auf ihre Marke besinnen sollten bevor sie jegliche Art von Social Media in ihre Marketing-maßnahmen einbinden. Maßnahmen müssen auch immer zu dem Unternehmenswerten und dem Markenaufbau passen, denn nur so werden die gewünschten Zielgruppen erreicht und schließlich höher Umsätze generiert.

 

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