Fast Fashion im Börsencheck: Shein, Zara, H&M und Primark
Der Wettbewerb im Bereich Fast Fashion hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Etablierte Händler kämpfen unter Preisdruck und veränderten Einkaufsgewohnheiten immer stärker auch mit Onlinekonkurrenten wie Shein und Temu.
Aufmerksamkeit für den Sektor brachte zuletzt ausgerechnet der chinesische Konzern Shein, der nach mehreren erfolglosen Versuchen schließlich doch an die Börse ging.
Shein schafft nach langem Weg die Börsennotierung
Nach gescheiterten Versuchen einer Notierung in New York und London begann der chinesische Fast-Fashion-Riese Shein am 1. September den Handel an der Börse Hongkong.
Das Unternehmen, das in China gegründet wurde und 2022 seinen Sitz nach Singapur verlegte, verkaufte im Rahmen des Börsengangs rund 280 Millionen Aktien und nahm etwa 13,6 Milliarden Hongkong-Dollar, also 1,49 Milliarden Euro, ein. Der endgültige Preis wurde auf 48,56 Hongkong-Dollar je Aktie festgelegt, schreibt CNBC.
Der Börsengang bewertet Shein mit rund 26,5 Milliarden US-Dollar. Auf dem privaten Markt lag die Bewertung des Unternehmens 2022 noch bei 100 Milliarden US-Dollar.
Die Shein-Aktie fiel zu Beginn des ersten Handelstags um etwa zehn Prozent, erholte sich anschließend und beendete den Handel nahe dem Ausgabepreis, so das Portal Finance.si.
Inditex steigert den Umsatz, die Aktie bleibt nahe dem Rekord
Die stärkste Börsengeschichte unter den traditionellen europäischen Anbietern von Fast Fashion bleibt der spanische Konzern Inditex. Unter seinem Dach befinden sich unter anderem die Marken Zara, Bershka, Pull & Bear, Stradivarius und Massimo Dutti.
Die Aktie erreichte Anfang August einen Rekordstand. Seit Jahresbeginn hat sie zwar nur rund zwei Prozent gewonnen, im vergangenen Jahr legte sie aber um etwa ein Drittel zu.
Im ersten Quartal dieses Jahres erreichte der Umsatz von Inditex 8,75 Milliarden Euro, die Bruttomarge stieg auf 61,2 Prozent. Nach den Daten für die Zeit nach Quartalsende wuchs der Umsatz bei konstanten Wechselkursen mit einer Rate von 11,5 Prozent.
Inditex entwickelt auch die Marke Lefties immer stärker. Ursprünglich war sie ein Outlet für unverkaufte Zara-Ware, inzwischen hat sie eigene Kollektionen und rund 225 Geschäfte in 20 Ländern. Ende August eröffnete Lefties das erste Geschäft in Großbritannien, und zwar in Liverpool. Dort wird die Marke direkt mit dem irischen Anbieter Primark konkurrieren und preislich auch in Sheins Terrain vorstoßen, schreibt der Guardian.
Sinsay treibt das Wachstum von LPP
Der polnische Konzern LPP ist Eigentümer der Marken Reserved, Sinsay, Cropp, House und Mohito. Sein wichtigster Wachstumstreiber ist inzwischen Sinsay. Das Modell beruht auf sehr niedrigen Preisen, einem Angebot, das neben Mode auch Produkte für Zuhause und andere Kategorien umfasst, sowie auf der Eröffnung von Filialen in kleineren Städten, in denen viele große Modehändler weniger präsent sind.
Die Ergebnisse passen dazu. Im zweiten Quartal stiegen nach vorläufigen Daten die Umsätze bei konstanten Wechselkursen um 18,5 Prozent. Der stationäre Verkauf legte um 19,2 Prozent zu, der Onlineverkauf um 16,4 Prozent. Die vergleichbaren Umsätze stiegen dagegen nur um 1,8 Prozent. LPP eröffnete in drei Monaten 230 Geschäfte, davon 212 Sinsay-Filialen. Die Daten für das erste Halbjahr wird LPP am 17. September veröffentlichen.
Die LPP-Aktie ist im vergangenen Jahr um rund 19 Prozent gestiegen, seit Jahresbeginn liegt sie aber etwa drei Prozent im Minus.
Von 19 Analysten, die eine Einschätzung zur LPP-Aktie abgegeben haben, empfehlen elf den Kauf, fünf das Halten und drei den Verkauf. Das Kursziel für die Aktie in zwölf Monaten liegt bei 23.772 Zloty, also rund 5.508 Euro. Das liegt etwa 15 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Analysten sind bei H&M vorsichtig
Bei der schwedischen H&M Group steht derzeit vor allem die Frage im Vordergrund, ob der Konzern nach der Verbesserung der Profitabilität auch den Umsatz wieder beschleunigen kann.
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres, von März bis Mai, lag der Umsatz bei 54,8 Milliarden schwedischen Kronen, also rund 4,94 Milliarden Euro. In lokalen Währungen entsprach er ungefähr dem Vorjahresniveau. Dabei hatte H&M am Ende des Quartals rund drei Prozent weniger Geschäfte als ein Jahr zuvor. Die Bruttomarge stieg von 55,4 auf 56,6 Prozent, der operative Gewinn um elf Prozent auf 6,6 Milliarden Kronen, also rund 594 Millionen Euro.
Die Empfehlungen der Investmentbanken zeigen jedoch, dass Analysten bei dem Konzern derzeit ziemlich vorsichtig sind. Santander erhöhte das Kursziel für die Aktie auf 184,5 schwedische Kronen, also rund 16,62 Euro, empfiehlt Anlegern aber weiterhin vor allem, die Aktie zu halten. Noch zurückhaltender sind Nordea, Goldman Sachs und JPMorgan. Alle drei Banken empfehlen den Verkauf der Aktie.
Etwas optimistischer ist Handelsbanken, die das Kursziel bei 190 Kronen, also rund 17,11 Euro, festlegte. Allerdings hat auch diese Bank ihre Empfehlung vor Kurzem von Kaufen auf Halten geändert. Der Grund liegt vor allem darin, dass H&M zuletzt Margen und Kosteneffizienz bereits deutlich verbessert hat, während der Umsatz weiterhin nicht schnell genug wächst.
Die eigentliche Börsengeschichte von Primark beginnt erst nächstes Jahr
Die Aktien des irischen Modehändlers Primark kann man derzeit nicht separat kaufen. Primark ist Teil des britischen multinationalen Konzerns Associated British Foods, ABF, der in Lebensmittelproduktion, Lebensmittelverarbeitung und Einzelhandel tätig ist und an der Londoner Börse notiert.
Das soll sich vor Ende 2027 ändern. ABF bestätigte im April dieses Jahres den Plan zur Aufspaltung der Gruppe. Danach sollen Primark und das Lebensmittelgeschäft, das unter dem Namen FoodCo arbeiten wird, eigenständige börsennotierte Unternehmen an der Londoner Börse werden.
Dabei wird es sich nicht um einen klassischen Börsengang handeln, sondern um eine Aufteilung: Die bestehenden ABF-Aktionäre erhalten nach der Spaltung Aktien beider Unternehmen. Der größte Aktionär Wittington Investments will in beiden Gesellschaften die Mehrheit halten. ABF erwartet, dass beide Unternehmen gemessen an ihrer Größe Teil des FTSE 100 werden könnten.
