Mehr Großinsolvenzen – Automobilbranche besonders betroffen
Im ersten Halbjahr meldet die Automobilbranche die meisten Großinsolvenzen. Welche Branchen noch unter Druck stehen und wie sich der Trend international entwickelt.
Die Zahl der deutschen Großinsolvenzen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro ist weiter gestiegen. So wurden im ersten Halbjahr insgesamt 33 Firmenpleiten registriert, wie aus einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade hervorgeht. Das seien zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
2026 keine Verschnaufpause bei den Großinsolvenzen
Im gesamten Jahr 2025 gab es demnach 94 Großinsolvenzen. Das sei der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2015 gewesen. 2024 lag die Zahl der Großpleiten noch bei 87 und im Jahr zuvor bei 64. „Es gibt auch 2026 keine Verschnaufpause bei den Großinsolvenzen“, sagte der Allianz Trade-Chef in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Milo Bogaerts.
Der Negativtrend aus dem Vorjahr verfestige sich und zeige, dass der Anpassungsdruck in vielen Branchen weiterhin enorm sei. Großunternehmen stünden häufig im Zentrum komplexer Wertschöpfungsketten, sagte Bogaerts.“Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten oftmals auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner unter Druck.“
Automobilbranche am häufigsten betroffen
Mit sieben Großinsolvenzen besonders betroffen war den Angaben zufolge im ersten Halbjahr die Automobilbranche. Danach folgten mit fünf Großpleiten der Einzelhandel sowie der Maschinenbau und Dienstleistungen mit jeweils vier Fällen. Mit der Zahl der Insolvenzen stieg auch der wirtschaftliche Schaden.
So erhöhte sich nach Angaben des Kreditversicherers der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen im ersten Halbjahr um drei Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Dass der durchschnittliche Umsatz insolventer Großunternehmen auf der anderen Seite um knapp sieben Prozent auf rund 137 Millionen Euro gesunken sei, deute darauf hin, dass zuletzt etwas kleinere Unternehmen betroffen gewesen seien.
Pleitegefahr durch hohe Investitions- und Energiekosten
„Wir erwarten auch im weiteren Jahresverlauf keine nachhaltige Entspannung“, sagte Bogaerts. Die Zahl der Großinsolvenzen dürfte 2026 auf einem erhöhten Niveau bleiben. „Besonders Branchen mit hohen Investitions- und Energiekosten sowie Unternehmen mit geringer Preissetzungsmacht bleiben anfällig für finanzielle Schieflagen.“
Global zeige sich ein ähnlicher Trend. So gab es der Untersuchung zufolge im ersten Halbjahr weltweit 247 Großinsolvenzen – 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die meisten Firmenpleiten verzeichneten der Einzelhandel, der Dienstleistungssektor sowie das Baugewerbe. „Die Zahl der Großinsolvenzen steigt in vielen Regionen der Welt“, sagte der Leiter der Allianz Trade-Insolvenzforschung, Maxime Lemerle. Westeuropa bleibe jedoch besonders betroffen und stehe für mehr als 60 Prozent aller erfassten Fälle.
Pleitewelle bedroht ganze Wertschöpfungsketten
Die steigende Zahl der Großinsolvenzen zeigt, wie tief der Anpassungsdruck in der Wirtschaft inzwischen reicht. Besonders die Automobilbranche leidet unter hohen Investitions- und Energiekosten, doch auch Handel, Maschinenbau und Dienstleistungen bleiben gefährdet. Weil große Unternehmen eng mit Zulieferern und Dienstleistern verflochten sind, kann jede Pleite weitere Betriebe belasten. Der geringere durchschnittliche Umsatz der betroffenen Firmen bietet dabei wenig Anlass zur Entwarnung: Die Krise erreicht offenbar zunehmend kleinere Großunternehmen. Auch international setzt sich der Negativtrend fort, wobei Westeuropa besonders heraussticht. Eine schnelle Trendwende ist daher nicht absehbar. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen Kosten senken und ihre Widerstandskraft rechtzeitig stärken können.
