Riester-Nachfolger: Neue Regeln für die private Altersvorsorge geplant
Die schwarz-rote Koalition präsentiert sich reformbereit: Ohne großes Aufsehen verständigen sich Union und SPD auf eine neue private Altersvorsorge. Was leistet der Riester-Nachfolger?
Privat fürs Alter vorsorgen, das soll sich künftig auch für Menschen mit geringem Einkommen und für Selbstständige stärker auszahlen. Union und SPD haben sich auf konkrete Details für eine neue staatliche Förderung geeinigt. Damit soll es ab Januar 2027 einen attraktiven Riester-Nachfolger für die zunehmend unbeliebte Riester-Rente geben. Der Riester-Nachfolger soll die Altersvorsorge grundlegend modernisieren.
Warum ein Riester-Nachfolger notwendig ist
Die Riester-Rente sollte Bürgern Sicherheit bieten, deren gesetzliche Rente langfristig nicht ausreichen dürfte. Sie wird durch staatliche Zulagen und steuerliche Vorteile gefördert. Zudem sind Anbieter verpflichtet, eingezahlte Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren, sodass kein Risiko entsteht. Allerdings sind dadurch die Renditechancen stark begrenzt. Gleichzeitig entstehen hohe Abschluss- und Verwaltungskosten, die an Versicherungen und Finanzinstitute fließen.
Viele Sparer haben sich deshalb bereits entschieden, ihre Riester-Rente nicht weiter zu besparen oder ganz zu beenden. Ende 2024 gab es laut Bundesarbeitsministerium noch knapp unter 15 Millionen Verträge – doch in geschätzte 20 bis 25 Prozent davon wurde überhaupt nicht mehr eingezahlt. Der Riester-Nachfolger soll diese Probleme der Altersvorsorge lösen.
Welche Optionen der Riester-Nachfolger bieten soll
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat Folgendes vorgeschlagen: Es soll weiterhin eine private Altersvorsorge geben, bei der 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert ausgezahlt werden. Ergänzend kommt eine Variante mit 80-prozentiger Garantie hinzu. Dadurch können Versicherer Beiträge stärker gewinnbringend am Kapitalmarkt investieren. Neu eingeführt wird vor allem ein Altersvorsorgedepot, das höhere Renditen ermöglicht, jedoch ohne Garantien auskommt. Der Riester-Nachfolger setzt damit stärker auf Kapitalmarktchancen.
Änderungen im Bundestag beim Riester-Nachfolger
Klingbeil hatte vorgeschlagen, die Kosten für ein Standarddepot (für Anleger mit wenig Kapitalmarkterfahrung) auf 1,5 Prozent zu begrenzen. Daran gab es breite Kritik: Hohe Renditen seien so schwer erreichbar. Union und SPD einigten sich nun auf einen Kostendeckel von 1 Prozent der Effektivkosten im Rahmen des Riester-Nachfolger-Modells.
Zusätzlich neu: Auch Selbstständige sollen künftig Zugang zu geförderter Altersvorsorge erhalten. „Denn auch bei den Selbstständigen haben wir prekäre Situationen im Alter“, betonten die Koalitionäre. Damit wird der Riester-Nachfolger breiter zugänglich.
Wie stark der Staat die Altersvorsorge fördert
Auch hier nahm die Koalition Anpassungen vor, insbesondere zugunsten von Familien und Geringverdienern in der Altersvorsorge.
Klingbeil hatte vorgeschlagen, dass der Staat für jeden eingezahlten Euro bis jährlich 1.200 Euro 30 Cent zuschießt (ab 2029 35 Cent). Für jeden eingezahlten Euro zwischen 1.201 und 1.800 Euro sollten es 20 Cent sein. Die Grundzulage könne so bis zu 480 Euro jährlich erreichen, so das Finanzministerium.
Nun einigten sich Union und SPD auf ein neues Modell für den Riester-Nachfolger: Für jeden eingezahlten Euro bis jährlich 360 Euro gibt es 50 Cent staatlichen Zuschuss. Für jeden Euro zwischen 360 und 1.800 Euro werden 25 Cent gezahlt. Die maximale Grundzulage steigt damit auf 540 Euro jährlich. Besonders profitieren Sparer, die monatlich nur bis zu 30 Euro zurücklegen können.
Zudem sollen Eltern bereits ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro den vollen Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr erhalten können. Der Staat verdoppelt damit für Eltern mit geringem Sparvolumen faktisch den Eigenbeitrag, so die Koalition.
Auswirkungen auf die Staatskasse durch den Riester-Nachfolger
Durch die von Union und SPD vereinbarten Änderungen wird die neue Altersvorsorge teurer. Allein die Einbeziehung von Selbstständigen verursacht laut Koalition rund 370 Millionen Euro zusätzliche Kosten. Die höheren Fördersätze schlagen mit weiteren 15 Millionen Euro zu Buche.
Bewertung des Finanzministers zum Riester-Nachfolger
Klingbeil begrüßte den Kompromiss. „Wir machen es für alle Generationen und alle Einkommen leichter, privat fürs Alter vorzusorgen“, erklärte er. Die private Altersvorsorge werde günstiger, einfacher und weniger bürokratisch. Zudem kündigte er an: Die Bundesregierung arbeite parallel an der Einführung der sogenannten Frühstartrente. Perspektivisch sollen alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren monatlich zehn Euro vom Staat für ein Altersvorsorgedepot erhalten. Startpunkt ist der Geburtsjahrgang 2020. Ab 2029 sollen auch ältere Jahrgänge einbezogen werden – welche genau, ist noch offen.
Starttermin für den Riester-Nachfolger
Der Bundestag soll das Gesetz noch in dieser Woche verabschieden, anschließend befasst sich der Bundesrat damit. Zum 1. Januar 2027 sollen die neuen Vorsorgeprodukte des Riester-Nachfolger-Systems am Markt verfügbar sein.
Bis dahin haben auch Besitzer bestehender Riester-Rente-Verträge Zeit, über einen Wechsel nachzudenken. Für Altverträge gilt zwar Bestandsschutz, ein Wechsel in den Riester-Nachfolger ist jedoch möglich, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen. Allerdings können Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten entstehen, die laut Finanzministerium gesetzlich begrenzt werden.
Riester-Nachfolger mit Chancen und offenen Fragen
Der Riester-Nachfolger markiert einen wichtigen Schritt zur Modernisierung der privaten Altersvorsorge in Deutschland. Höhere Renditechancen, flexiblere Modelle und gezielte Förderung für Geringverdiener und Familien könnten die Attraktivität deutlich steigern. Gleichzeitig bleibt die Balance zwischen Sicherheit und Risiko eine zentrale Herausforderung. Besonders die Abkehr von vollständigen Garantien dürfte nicht alle Sparer überzeugen. Auch die tatsächliche Kostenentwicklung und die Umsetzung am Kapitalmarkt werden entscheidend sein. Klar ist: Der Riester-Nachfolger bietet neue Chancen, löst aber nicht automatisch alle strukturellen Probleme der Altersvorsorge. Ob die Reform langfristig erfolgreich ist, hängt maßgeblich von ihrer praktischen Umsetzung ab.
