Amazon ist für ein Drittel der deutschen Online-Umsätze verantwortlich

Wie viel setzt Amazon in Deutschland tatsächlich um? Wenn es um genaue Zahlen geht, gibt sich Amazon chronisch knauserig, darum muss man auf Annäherungen, Erhebungen und Schätzungen vertrauen. Das Online-Magazin Digital-Kompakt versucht sich nun ebenfalls an konkreten Zahlen und hat gemeinsam mit Metoda, der Universität St. Gallen und der Digitalberatung Etribes eine Studie durchgeführt, um die Marktmacht von Amazon zu ermitteln.

Dafür wurde der AMDI entwickelt, der Amazon Market Dominance Index, der Amazons Dominanz für jedes Segment zeigen soll. Dieser fußt auf Daten von Metoda, des Statistischen Bundesamtes und weiteren Marktdaten und setzt den Umsatz nach Kategorie und dessen Anteil am deuschen Gesamtmarkt ins Verhältnis. Je höher der sich daraus ergebende AMDI, desto höher Amazons Dominanz. Dem Marktreport zufolge kommt Amazon in Deutschland im ersten Halbjahr 2019 auf einen Umsatz in Höhe von 11,5 Milliarden Euro – das entspricht 37 Prozent aller Umsätze im deutschen Online-Geschäft. Amazon ist also für mehr als ein Drittel des deutschen E-Commerce verantwortlich.

Große Marktmacht mit Potenzial

In der Handelssparte „Spielzeug, Baby, Sport, Freizeit“ kommt Amazon auf einen Marktanteil von 15,8 Prozent. Mit einem geschätzten Umsatz von 1,32 Milliarden Euro ist sie aber nur die drittgrößte Sparte für Amazon. Davor liegen „Küche, Haushalt und Wohnen“ mit 2,09 Milliarden Euro (Amazon-Marktanteil: 8,5 Prozent) und „Elektronik und Computer“ mit 2,64 Milliarden Euro (Marktanteil: 14 Prozent). Die Sparte ist für fast ein Viertel (23 Prozent) des hiesigen Gesamtumsatzes von Amazon verantwortlich. Hinter diesen drei Kategorien folgen noch „Sonstiges” (inklusive Gewerbe) und Bekleidung, die auf mehr als eine Milliarde Euro Umsatz kommen.

Dahinter gibt es noch diverse Kategorien, die Amazon Entwicklungspotenziale bieten. Im Bereich Baumarkt etwa kommt Amazon nur auf einen Gesamtmarktanteil von 5,8 Prozent bei 0,88 Milliarden Euro Umsatz. Im lukrativen Geschäft Auto und Motorrad spielt der Marktplatz laut der Studie noch keine nennenswerte Rolle, das Lebensmittelgeschäft steckt ebenfalls noch in den Kinderschuhen. Interessant: Der ursprünglich als Buchhändler gestartete Konzern macht mit Büchern nicht einmal sechs Prozent seines Umsatzes. Der Anteil an allen Bestellungen ist mit fast 17 Prozent aber am höchsten.

Keine offiziellen Zahlen

Bei den Zahlen von Digital-Kompakt handelt es sich nicht um offizielle Amazon-Zahlen. Das Portal räumt ein, dass man „Schätzungen anstellen, Thesen entwickeln und unterschiedliche Datenquellen zusammenführen und intrapolieren“ musste. „Das Amazon-Thema erfordert also das Aufstellen von Hypothesen und lässt immer Raum für Interpretationen“, heißt es. Als kürzlich Berechnungen an die Öffentlichkeit gelangten, dass der Brutto-Umsatz des deutschen Amazon-Marktplatzes 10,2 Milliarden Euro betrage, war das Unternehmen schnell dabei, die Zahlen zu dementieren. „Diese Zahlen sind in keiner Weise korrekt“, hieß es von Amazon. Als gesichert gilt mittlerweile, dass das  Handelsvolumen (netto) des deutschen Marktplatzes deutlich über 20 Milliarden Euro beträgt. Diese Zahl veröffentlichte das Bundeskartellamt im Rahmen eines Verfahrens.

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