“Verkehrte Welt? Negativzinsen und die Auswirkungen auf die Profitabilität von Banken”

Der aktuelle Neuwirth Finance Zins-Kommentar

Seit der Finanzmarktkrise 2008 häufen sich kritische Kommentare zum Niedrigzinsumfeld. Besonders Bankhäuser sehen das derzeitige Zinsumfeld als Belastung für ihre Gewinne. Doch das allgemeine Zinsniveau tendiert schon seit Anfang der 90er Jahre abwärts und mündete letztendlich in Negativzinsen, was für große Empörung in der Öffentlichkeit sorgte. Lesen Sie in der heutigen Ausgabe des Zinskommentars, inwiefern das anhaltende Niedrigzinsumfeld und Negativzinsen die Profitabilität von Banken beeinflussen.

Markt-Monitoring und Ausblick:
Kurzfristiger Zins: Der 3-Monats-Euribor bleibt nahezu unverändert und steht nach wie vor bei – 0,331%. Ein leichtes Abfallen in Richtung -0,4 % halten wir nach wie vor für sehr wahrscheinlich. Dies ist der aktuelle Stand der Einlagenfazilität der EZB.

Langfristiger Zins: Der 10jährige SWAP-Satz pendelt nach wie vor und liegt derzeit bei 0,68 %. Wir erwarten weiterhin niedrige SWAP-Sätze zwischen 0,20% – 1,00%.

 

 

Verkehrte Welt? Negativzinsen und die Auswirkungen auf die Profitabilität von Banken
Während Unternehmen verbreitet Strafzahlungen auf Einlagen hinnehmen müssen, bleibt die Weitergabe von negativen Zinsen im Privatkundengeschäft ein schweres Unterfangen. Strafzinsen im Privatkundengeschäft könnten unmittelbar zum Abfluss von Einlagen mit einhergehenden Liquiditätsengpässen führen. Deshalb ist die Weitergabe der Zinsen von den Zentralbanken nur bis zu einem gewissen Punkt möglich. Ebenso ist das klassische Zinsgeschäft immer noch eine wichtige Einkommensquelle von Banken, womit Negativzinsen oder längere Niedrigzinsphasen die Profitabilität stark beeinträchtigen. Das wiederum setzt Geschäftsbanken in einem starken Wettbewerbsumfeld unter Druck und hat Auswirkungen auf die Risikoaversion und die Kreditvergabe. Einerseits bedeuten risikoreichere Geschäfte die Notwendigkeit eine umfangreichere Bankenaufsicht zu betreiben, andererseits könnte sich der Rückgang der Kreditvergabe auf die Realwirtschaft auswirken und somit die eigentliche Intention der Zinssenkung untergraben.
Wirft man einen Blick auf die Ertragsstruktur europäischer Banken wird deutlich, dass das Zinsgeschäft einen großen Anteil am operativen Geschäft vieler Banken hat. Die Zinsmarge spielt dabei eine wesentliche Rolle. Sie wird über die so genannte Fristentransformation generiert. Banken transformieren dabei kurzfristige Einlagen in langfristige Kredite. Daraus lassen sich zwei Risiken ableiten, die für Geschäftsbanken zu beachten sind. Einerseits besteht ein Liquiditätsrisiko, wenn Anleger ihre kurzfristigen Einlagen grundlos abziehen und somit die vergebenen Kredite gefährden. Andererseits existiert aber auch ein Zinsrisiko, wenn für die langfristigen Kredite ein fester Zinssatz vereinbart wurde. Sollten die Zinsen wieder steigen, müssen Banken auf der Einlageseite höhere Zinsen bezahlen, sofern sie sich nicht abgesichert haben. In der Regel wird das Zinsrisiko durch die Differenz von kurz- und langfristigen Zinsen entschädigt.
Somit ist eine steigende Zinsstrukturkurve unbedingt notwendig, damit die klassische Fristentransformation profitabel ist. In den letzten Jahren hat ein Abflachen der Zinsstrukturkurve dafür gesorgt, dass die Zinsmarge, also die Differenz aus kurz- und langfristigen Zinsen (Spread), enorm gesunken ist (s. Abbildung). Lag die Differenz 2010 noch bei 2,56 Prozent, flachte die Zinsstrukturkurve der Eurozonenländer bis 2016 auf 0,78 Prozent ab. Notenbanken wollen die Zinsstrukturkurve beeinflussen, um damit Einfluss auf Konjunktur und Inflationsrate zu nehmen. Dies betreiben sie unter anderem mit Forward Guidance am kurzen Ende und mit Anleihekaufprogrammen am langen Ende der Zinsstrukturkurve.

 

Abbildung: Zinsstrukturkurve aller Euroländer

 

 


Quelle: Eurostat; eigene Darstellung

 

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Klar ist, dass das gegenwertige Zinsumfeld das klassische Zinsgeschäft von Banken beeinträchtigt. Besonders jene Banken, die Kredite hauptsächlich über Einlagen vergeben, haben schwer zu kämpfen. Jedoch hat eine Untersuchung der Österreichischen Nationalbank (OeNB; Vgl. Scheiber, Silgoner, Stern (2016): The development of bank profitability in Denmark, Sweden and Switzlerland during a period of ultra-low and negative interest rates, OeNB)  ergeben, dass die Niedrig- und Negativzinsen in den Ländern Schweden, Dänemark und der Schweiz keinen signifikanten Effekt auf die Profitabilität hatten. Das Problem vieler deutscher Banken ist größer als das anderer ausländischer Wettbewerber, so dass sich besonders heimische Kreditinstitute „die Zähne an Negativzinsen ausbeißen“. Das liegt vor allem daran, dass viele deutsche Kreditinstitute Geld über ihre Einlagen verleihen, die aber unverhältnismäßig hoch im Gegensatz zu anderen kurzfristigen Verbindlichkeiten verzinst werden müssen. Negativzinsen auf Privatkonten einzuführen, ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern bleibt auch ein Politikum.

 

 

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